Praxisforum Fotografie | Wertbildungsprozesse im Fotomarkt

/Verena Voigt | PR

PRAXISFORUM FOTOGRAFIE
Wertbildungsprozesse im Fotomarkt
6./7. April 2016
Köln – Düsseldorf – Wuppertal

EXPERTEN: Gabriele Conrath-Scholl, Miriam Halwani, Rolf Hengesbach, Markus Hoffmann, Anja Jensen, Felix Michl, Marjen Schmidt, Uwe Wasserthal, Thomas Zander

Beitragsbild:
Anja Jensen: Buick, 2007, C-Print, 140 x 171 cm, Bankenviertel Istanbul

Fotografien stenografieren Brüche und politische Umbrüche von Gesellschaften. Sie sind das visuelle Gedächtnis einer Zeit, fragiles  Kulturgut und gleichzeitig Spekulationsobjekt. Dem Fotomarkt ist es  im vergangenen Jahrzehnt immer wieder gelungen, durch spektakuläre Auktionsergebnisse in die Schlagzeilen zu gelangen. Insbesondere Werke der Becher-Schüler riefen auf dem internationalen Auktionsmarkt Rekordpreise auf. Sieht man einmal von den Spitzenpreisen ab, entwickelte sich der Fotomarkt im vergangenen Jahrzehnt eher verhalten. Die derzeitigen Umstrukturierungen im Kunstmarkt haben einen „personellen Aderlass“ (Handelsblatt, 18.1.2016) zur Folge, von dem insbesondere das internationale Auktionswesen betroffen scheint. Gleichzeitig geben die Umbrüche im Auktionsmarkt gerade den nachhaltig arbeitenden Marktteilnehmern Recht, deren Geschäftsmodelle auf Fachkompetenz und Diskretion aufbauen.

Zielsetzungen des Praxisforums Fotografie
Das Praxisforum Fotografie versucht eine Analyse der aktuellen Entwicklungen und untersucht die wertbildenden und wertmindernden Faktoren im Fotomarkt. Anhand von Originalfotografien aus musealen Sammlungen werden historische Verfahren und Erhaltungszustände, Marktentwicklungen und „Trends“ der historischen, klassischen und zeitgenössischen Fotografie thematisiert. Mit Experten aus unterschiedlichen Teilbranchen werden Vermarktungsstandorte, Gewährleistungsansprüche, Reproduktionsmöglichkeiten, Auflagen- und Formatversprechen an Fallbeispielen diskutiert. Besondere Aufmerksamkeit wird dem wissenschaftlichen Werkverzeichnis, sowie den  Dokumentations- und Inventarisierungsstandards als wertbildenden Faktoren gewidmet. Exkursionen und das Studium von musealen Ikonen der Fotogeschichte bieten darüber hinaus Möglichkeiten, über das wichtigste Bewertungskriterium: die „Schönheit“ der originalen Fotografie ins Gespräch zu kommen.

Auf der Facebook-Seite des Praxisforums Kulturwirtschaft ist eine Linksammlung angelegt.  Interessierte sind eingeladen, die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten dieses Mediums zur Vorbereitung auf das Praxisforum Fotografie zu nutzen. Für Teilnehmer ohne Facebook-Zugang sind entsprechende Links in das Programm eingefügt, das auf der Homepage des Praxisforums hinterlegt ist. Fühlen Sie sich bitte eingeladen, vor der Veranstaltung in Kommunikation mit uns zu treten (gerne auch telefonisch)!


Wertbildungsprozesse im Fotomarkt

„Originalität“ und Authentizität: das „Vintage“
Die Fotografie ist ein Reproduktionsmedium, kunsthistorisch betrachtet ein „Multiple“. Die Reproduktionsmöglichkeiten erfordern einen sensiblen Umgang mit dem Originalitätsbegriff.  Das „Vintage“ als authentische, erste Artikulation des Fotografen spielt eine wichtige Rolle innerhalb der Bewertungsfrage.
Eine absichernde Dokumentation der Produktionsprozesse bzw. Produktionsverfügung seitens des Fotografen bzw.  des Vorlass-Verwalters schaffen Sicherheit im Fall der Reproduktion und sind daher wichtige Faktoren innerhalb der wertbildenden Prozesse. Das Produktionstagebuch als Grundlage für die spätere wissenschaftliche Bearbeitung (und mögliche Reproduktion) kann dabei eine wichtige Rolle spielen.
Die  Inventarisierungs-, Dokumentations-und Bewertungsempfehlungen u.a. von dem „American Institut for Conservation“ bzw. der „Association of International Photography Art Dealers“ bieten eine Grundlage für eine international anerkannte Inventarisierung künstlerischer Fotografie.

Fälschungen im Fotomarkt
Wie auch in den traditionellen Sachgebieten tragen Fälschungsskandale zum Vertrauensverlust der Sammler bei, wie der Streitfall (2011) über das im  Auktionshaus Artcurial Deauville (Normandie) nach der Versteigerung angezweifelte Konvolut des unbekannten Künstlerfotografen, Malers und Lithographen Charles Edouard de Crespy Le Prince (1784–1851) zeigte.

Ausstellungsprominenz – Marktpräsenz – Provenienz – Marktfrische
Die kunst- und fotohistorischen Präsentationskontexte sind ein zentraler wertsteigernder Faktor im Fotomarkt.
Durch wissenschaftliche Publikationen und museale Ausstellungen wird „kunsthistorische Relevanz“ quantifizierbar.
Die publizistische Begleitung eines Fotokünstlers im Rahmen einer „Vorlass-Verwaltung“ umfasst u.a. die Schließung von Inventarisierungslücken, die begleitende Produktionsdokumentationen sowie die lückenlose Dokumentation der Provenienz.
Für Fotografien gilt, dass durch ihre materiale Fragilität eher ihre „Marktfrische“ zur Wertsteigerung beiträgt.

Formate – Auflagen – Spekulation
Die Entwicklung der Fotografie als Spekulationsobjekt und die Vergrößerung der Formate stehen in einem engen Zusammenhang. Die Festlegung des Formats – das „Format- und Auflagenversprechen – wird seitens der Fotokünstler häufig unterschätzt. Professionelle Galerien verzeichnen dagegen akribisch Auflage und Format.
2013 gab es dazu erstmals ein Gerichtsurteil: Der Fall Sobel vs. Egglestone (2013) zeigte, wie sensibel der Sammlermarkt reagiert, wenn (im Rahmen einer Auktionsvermarktung) rein monetäre Motive den Künstler antreiben, Format- und Auflagenversprechen zu brechen.

Erhaltungszustand –  Reproduktion
Konservierung / Archivierung nach restauratorischen Maßstäben sind zentrale welterhaltende / wertsteigernde Maßnahmen.
Wichtigste Voraussetzung für eine Werterhaltung/ Wertsteigerung ist der qualitativ hochwertige Print aus dem Fotofachlabor, denn das Thema Neuproduktion + Vernichtung ist ein Reizthema.
Während des Symposions „Reproduktion in der Fotokunst“ der DZ Bank wurde das Thema „Reproduktion“ breit diskutiert. Das Symposion ist im Internet dokumentiert.

Der Vermarktungsstandort
Grundsätzlich gilt: Mehr noch als der Kunstmarkt der traditionellen Sammelgebiete leidet der Fotomarkt unter den ungünstigen Rahmenbedingungen des Vermarktungsstandorts Deutschland. Der verschleppte Umsatzsteuererlass (12/2014) und die Ablehnung der Margenbesteuerung seitens der Länder hat auch den Fotomarkt nicht unberührt gelassen; zumal die unterschiedlichen Besteuerungsformen (7% bzw. 19%) den Fotomarkt immer schon verkompliziert haben. Auch die Vermarktungsstandorte sind in Bewegung!


Zielgruppen der Veranstaltung

Das Praxisforum Fotografie richtet sich an KunsthistorikerInnen und Kunstsachverständige aus den Bereichen Galerie und Kunsthandel,  Auktion- und Versicherungswesen, an Restauratoren sowie Vor- und NachlassverwalterInnen. Angesprochen sind auch Quereinsteiger aus den Bereichen Wirtschaft und Recht, sowie Sammler und Erben von Fotografie-Nachlässen.

Explizit eingeladen sind Kunsthistoriker mit mehrjähriger Berufserfahrung und Spezialisierung, die eine öffentliche Bestellung zum ö.b.u.v. Kunst-Sachverständigen in Erwägung ziehen oder bereits anstreben.

Der Workshop richtet sich auch an WissenschaftlerInnen, die mit fachverwandten Forschungsvorhaben befasst sind und an VertreterInnen aus den unterschiedlichen Fotografie-Netzwerken und Unternehmenssammlungen. Angesprochen sind auch  Künstler und Fotografen, die Impulse für ihre eigene Dokumentationspraxis erhalten möchten.

Die Veranstaltung richtet sich auch an Künstler, bei denen die Fotografie bisher eine untergeordnete Rolle im Werkprozess gespielt hat. An Kuratoren als Ansprechpartner der KünstlerInnen, die Fotoproduktion oft innerhalb komplexer Projekte begleiten. An Kunstsachverständige aus allen Teilbranchen des Kunstmarkts, für die Fotografie nicht zum Tagesgeschäft gehört. An Sammler, für die Fotografie bisher Neuland ist sowie an Erben von Fotonachlässen. Wichtige Fragen nach Auflage, Format und Preis in Beziehung zum Vermarktungsstandort werden im Rahmen der Veranstaltung mit Experten diskutiert.

Ein Ziel des Praxisforums ist es, Berufsgruppen, die wie Sachverständigen (ö.b.u.v. KunstSV u.a. bei Versicherungen und Banken, Sachverständige im Kunst- und Auktionshandel) zu verbindlichen Bewertungen kommen müssen, strukturierende Beurteilungs- und Beschreibungskriterien an die Hand zu geben.


EXPERTEN

Uwe Wasserthal, Photograph, ö.b.u.v. SV für Photographie, Darmstadt, Vorsitzender des BVK
Rolf Hengesbach,
Hengesbach Gallery, Wuppertal
Miriam Halwani, Kuratorin, Kuratorin, Fotosammlung des Museum Ludwig, Köln
Gabriele Conrath-Scholl,
Leiterin der Photographischen Sammlung der SK Stiftung der Sparkasse Köln/ Bonn
Thomas Zander,
Galerie Thomas Zander, Köln
Marjen Schmidt, Fotorestauratorin, Oberhausen (Bayern)
Felix Michl,
Rechtsanwalt, Heidelberg
Anja Jensen,
Fotografin & Künstlerin, Hamburg
Markus Hoffmann,
Geschäftsführer des Fotofachlabors Grieger, Düsseldorf

Moderation & Organisation: Verena Voigt M.A., Praxisforum Kulturwirtschaft

KOOPERATIONSPARTNER
Bundesverband öffentlicher bestellter und vereidigter Kunstsachverständiger sowie qualifizierter Sachverständiger e.V.
Forum für Fotografie, Köln

TEILNEHMERBEITRAG

250.- Euro (Berufstätige, Angehörige von Institutionen, Professoren)
100.- Euro (Nachwuchswissenschaftler, Promoventen, Künstler, Fotografen)
50.- Euro (Studierende, mit Nachweis)


PROGRAMM + ANMELDUNG (bis 18.3.16)
Die Anmeldung erfolgt über das Anmeldungsformular auf der Homepage des Praxisforums.
Hier finden Sie auch  das Programm: www.praxisforum-kulturwirtschaft.de
Lebenslauf, Motivationsschreiben sowie ein Nachweis über den Berufsstatus sind der kurzen informellen Bewerbung beizufügen.


KONTAKT
Verena Voigt M.A. | Praxisforum Kulturwirtschaft – Kanalstr. 36 | 24159 Kiel
kontakt@praxisforum-kulturwirtschaft.de | M 0163 191 16 69

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